„Zirkus Babolino ‐ Ein soziales Lernfeld für Inklusion“ (Ausschnitt aus dem Projektbericht 2017)

Im Jahr 2017 – dem dritten Jahr unserer Förderung durch die Wilhelm‐von‐Türk‐Stiftung konnten drei jahrgangsgemischte Lerngruppen der Klassenstufe 1‐3 am Projekt „Zirkus und Inklusion“ teilnehmen:

  • ‐  Grüne Kamuffel mit 26 Kindern zu dem Thema „Wasser“
  • ‐  Blaue Kamuffel mit 26 Kindern zum Thema „Bauernhof“
  • ‐  Gelbe Kamuffel mit 26 Kindern zum Thema „Märchen“

    Das Zirkusangebot konnte für jede Lerngruppe jeweils für ein Schulhalbjahr einmal wöchentlich mit zwei Stunden in der Turnhalle, begleitet von drei Zirkuspädagogen, durchgeführt werden. Am Ende des jeweiligen Schulhalbjahres fand immer eine Präsentation statt: im Winter (aufgrund der Wetterbedingungen) in der Turnhalle der Schule und im Sommer im Zirkuszelt von Montelino. Dies konnte dank der Fördermittel sowohl für die eine Zeltprobe als auch für die Aufführung, zu der alle Familien eingeladen waren, angemietet werden ebenso wie die notwendige Technik (Licht & Ton).

    Zwei Pädagogen wurden über das Projekt finanziert, eine Sportlehrerin mit Zusatzqualifikation im Bereich Zirkus‐ und Theaterpädagogik arbeitete im Rahmen des Schulkontingents.
    Inhaltlich und organisatorisch wurde weiterhin in den bewährten Strukturen gearbeitet:

  • Ankommen und gemeinsamer Anfangskreis,
  • Anfangs‐Zirkusspiel mit der gesamten Gruppe,
  • dann Gruppenarbeit an unterschiedlichen Stationen, die ca. alle 15 Minuten

    gewechselt werden,

  • danach Präsentationen,
  • Abschlusskreis mit Auswertung und Ausblick.

    Diese klare Struktur im Ablauf gibt innere Sicherheit ‐ „darauf kann ich mich verlassen“. Gleichzeitig lädt diese Struktur durch den Wechsel von offenen Bewegungssituationen und gelenkten Angeboten dazu ein, unterschiedliche kreative Bewegungserfahrungen auszuprobieren und anschließend auf dem eigenen individuellen Level zu üben bzw. zu vertiefen. („Circus Babolino“ ‐ Ein soziales Lernfeld für Inklusion“ Projektdokumentation 2016)

    Neben den Aspekten Inklusion und soziales Lernen, die eine große Rolle beim Zirkus spielen, sind die demokratische Themenfindung, die gemeinsame Entwicklung der Programme und der einzelnen Nummern ein wichtiger Bestandteil des Zirkusprojekts. In allen Lerngruppen wurde darauf geachtet, dass fächerübergreifende Impulse von den Kindern gehört und berücksichtigt wurden.

    Inklusion: Ein Blick auf Kinder mit einem besonderen Förderbedarf

    An der Evangelischen Grundschule Babelsberg lernen zurzeit 30 Kinder mit einem besonderen Förderbedarf (ca. 10% aller Schülerinnen und Schüler). Unter dem Leitgedanken: Vielfalt in Gemeinschaft – Anders sind wir alle bemühen wir uns darum, allen Kindern in ihrer Unterschiedlichkeit gerecht zu werden. Herausfordernd ist dieses Ziel, weil es bei vielen schulrelevanten Themen um Aspekte geht, die für einige Kinder mit Förderbedarf schwieriger umzusetzen sind als für andere. (Das Schreibenlernen ist für ein Kind mit Förderbedarf im Bereich Geistige Entwicklung eine große Herausforderung genauso wie das Halten des Stiftes oder der Sportunterricht für ein Kind mit körperlicher Beeinträchtigung.) Gerade an diesem Punkt kann das Zirkusprojekt einen wichtigen Beitrag leisten, denn eine erfolgreiche Zirkusnummer kann auf sehr unterschiedliche Weise konzipiert sein. Exemplarisch beschreiben wir am Beispiel von zwei Kindern mit Förderbedarf die Chancen der Zirkuspädagogik.

    Rückblick und Ausblick

    Seit Gründung der Evangelischen Grundschule Babelsberg ist die Zahl der Kinder mit einem besonderen Förderbedarf stetig gestiegen. Daraus haben sich vor allem zwei Aspekte der Schulentwicklung ergeben:
    Es mussten organisatorische und inhaltliche Formen gefunden werden, die individuelle Lernerfolge für alle Kinder ermöglichen. Gleichzeitig entwickelte sich die Notwendigkeit, Schulaktivitäten zu finden, die es allen Kindern gleichermaßen möglich machen, sich einzubringen und gemeinsam etwas für sie Relevantes zu entwickeln.

    Bestärkt durch die guten Erfahrungen, die wir mit der am Nachmittag stattfindenden Zirkus AG gemacht hatten, entwickelte sich vor vier Jahren der Gedanke, dieses Angebot allen Kindern zugänglich zu machen, da ein gemeinsames Zirkusprojekt gut geeignet erschien, individuelle Voraussetzungen in ein gemeinsames Projekt einfließen zu lassen. Dank der Fördermittel der Wilhelm‐von‐Türk‐Stiftung konnten wir das Projekt Zirkus und Inklusion umsetzen. Die Fördermittel haben es uns ermöglicht, die notwendige Grundausstattung an Akrobatik‐Geräten und Bühnenausstattung anzuschaffen und zwei Zirkuspädagoginnen zu finanzieren, sodass insgesamt drei Pädagogen für die Begleitung von 26 Kindern zur Verfügung standen.

    Der vorliegende Bericht macht deutlich, dass unsere Erwartungen an das Projekt sich erfüllt haben. An vielen Stellen, auch an unerwarteten, sind sie sogar übertroffen worden.
    Es haben sich Synergieeffekte ergeben, die weit über das erhoffte Ziel hinausweisen. So hat sich zum Beispiel angeregt durch das Bildungsforum 2014 bei der Wilhelm‐von‐Türk‐Stiftung eine Kooperation mit der Fachhochschule Clara Hoffbauer Potsdam entwickelt. Inzwischen gibt es eine Zusammenarbeit zwischen dem Studiengang Bewegungspädagogik und Tanz in Sozialer Arbeit und unserer Schule. Regelmäßig besuchen die Studierenden der FH die Evangelische Grundschule Babelsberg und hospitieren unter anderem beim Zikusprojekt und Erfahrungen aus diesem Projekt wiederum fließen in das Studium ein.

    Zusammenfassend lässt sich festhalten: Zirkuspädagogik

    • ‐  fördert die motorische Entwicklung aller Beteiligten,
    • ‐  stärkt die Kooperationsfähigkeit,
    • ‐  fördert das Soziale Lernen,
    • ‐  ist motivierend,
    • ‐  stärkt die Gemeinschaft,
    • ‐  steigert das Selbstwertgefühl,
    • ‐  ermöglicht es allen Kindern auf ihrem Niveau einen Beitrag zu erbringen,
    • ‐  macht Spaß,
    • ‐  wirkt sich langfristig positiv auf die Gemeinschaft aus,
    • ‐  hat eine positive Außenwirkung.

      Mehr als genug Gründe, das Projekt weiterzuführen. Die positiven Auswirkungen in den unterschiedlichen Bereichen haben uns überzeugt, sodass Mittel im Schuletat beantragt wurden um das Projekt auch im Jahr 2018 weiterführen zu können.
      Wir bedanken uns für die Anschubfinanzierung durch die Wilhelm‐von‐Türk‐Stiftung, die den Start ermöglicht hat.

      Potsdam, Januar 2018

      Susanne Anders, Schulleiterin Imke Schubert, Zirkuspädagogin